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Ein Tag an Bord

Die Begrüßung ist vorbei, die ersten Gepäckstücke sammeln sich an Deck. Neugierige Blicke und Fragen. Wo schlafen wir? Wer ist noch an Bord? Wann geht’s los? Ist genug zu Essen da? Wo kann der Kuchen hin?

Also der Reihe nach.

Wir haben im Vorschiff vier Kojen. Dort befindet sich auch ein Raum mit Waschbecken und Toilette.
Im Salon haben wir vier Kojen, Mittschiffs zwei weitere Ko­jen und eine Toilette mit Waschbecken, dann noch die Pan­try und achtern, also hinten, gibt’s den Navigationsraum bzw. Schlaf­raum vom Skipper.
An verschiedensten Ecken befinden sich Schränke und Stauraum fürs Gepäck und das Essen. Es gibt einen Kühl­schrank und einen 3 flammigen Gasherd mit Bratröhre.
Soviel zur Aufteilung. Die Schlafplätze werden nach Absprache verteilt. Manchmal ist das Vorschiff eher ein Frauen­zimmer oder auch die Kinderstube. Das hängt von der Zusammensetzung der Mannschaft ab.

Wenn das erledigt ist, können die Sachen unter Deck und wir setzen uns anschließend hin und erarbeiten einen Einkaufs­plan. Meistens wird ein Schriftkundiger bestimmt und die Liste beginnt. Hierbei liefern wir vom Schiff natürlich Unterstützung. Was hat sich bewährt, worauf ist zu achten und welche Mengen werden benötigt. Wir können oft genug nachkaufen, es geht also erstmal um einen Grundstock für die nächsten Tage. Wieviel gekocht wird, welche Gerichte und ob Essen gegangen wird, ist Entscheidung der Mannschaft. Die Pantry jedenfalls ist so eingerichtet, dass auch üppige Mahl­zeiten zubereitet werden können. Und wenn es dort an Werkzeug fehlen sollte, dann beginnt die Kunst des Kochens. Improvisation! Eng verbunden mit der Seefahrt.
Während des Segelns wird selten gekocht. Die Haupt­mahlzeit findet in der Regel abends statt. Wenn das Schiff im Hafen oder vor Anker liegt. Unterwegs können doch Ver­än­de­rungen eintreten, die das mit dem Kochen eher ungünstig gestalten. Bis dahin halten wir uns mit Obst, Schokolade, Wurst und Käsebroten, Marmelade und Honigbrötchen, Kaf­fee, Tee, Kuchen, warmen Wiener Würstchen, gekochten Eiern, leckeren Eintöpfen, Keksen und dergleichen mehr schlecht als recht über Wasser. Und abends wird gegessen!

Zurück zum Tagesablauf.

Einkaufsplan geschrieben, ein­kau­fen, verstauen. Jetzt kommt die Sicherheitseinweisung. Das Ver­halten an Bord, Umgang mit dem Schiff, wichtige Sicherheitsregeln. Diese Liste wird dann von jedem unter­schrieben. Jeder bekommt eine Rettungsweste, die auf seine Größe eingestellt wird und für die Dauer der Reise personen­gebunden ist.

Oft kommt jetzt der Plan der nächsten Tage. Abhängig von Wind und Wünschen erstellen wir gemeinsam eine grobe Route. Das kann sich auch ganz schnell ändern, aber wir versuchen unser Bestes. Gemeinsam.

So langsam nähern wir uns dem Ablegen. Erste Positionen werden erläutert und besetzt. Das wird sich dann die Reise lang fortsetzen. Was machen wir, warum, wie macht man das, was hat sich bewährt, wo sollte man aufpassen. Dann folgt, in ruhigen Zeiten, Knotenkunde oder Navigation. Geschichten vom Schiff, Erläuterungen der Manöver und das Praktizieren derselben. Also Segeln!

Es gibt natürlich immer wieder Bedingungen, denen wir uns fügen müssen. Das Wetter, der Wind, wann öffnen Brücken, welche Tiefen haben wir. Bei alldem versuchen wir, möglichst viel von unseren Entscheidungen zu vermitteln. Manchmal ist man da etwas maulfauler, also nachfragen! Immer fragen und auch immer auf Dinge hinweisen, die einem seltsam vorkommen. Auch der Skipper oder Bootsmann träumen manch­mal, gucken in die falsche Richtung oder spielen zu lange mit dem Wind...

Im Gepäck sollte sich ein Schlafsack befinden, warme Klei­dung auch für scheinbar heiße Sommertage, Sonnen­creme, wetterfeste Kleidung. Falls keine Gummistiefel vor­handen sind, ein paar weitere Schuhe. Oft heißt es am Ende: Na da hätte ich ja die Hälfte zu Hause lassen können. Das denkt man am Anfang der Reise natürlich nicht, aber selbst ruhige Seetage stellen sich am Abend als schwer ermüdend heraus. So, dass doch die Garderobe für Empfänge und dergleichen bis jetzt immer im Schrank geblieben ist.

Und:

Wer regelmäßig Medikamente nimmt, in­for­miere uns bitte darüber. Während wir unterwegs sind, bleibt der Alkohol im Schrank. Auch über scheinbar kleine Verletzungen bitte informieren. Keine Fragen scheuen und keine Seltsamkeiten als gegeben annehmen. Auch die Schiffsführung kann Dinge übersehen, nicht erkennen oder auch mal vergessen.
Wir sitzen tatsächlich alle in einem Boot!

Falls etwas zu Bruch geht, bitte auch Bescheid sagen. Viele Dinge an Bord unterliegen einem ganz normalen Verschleiß. Umso eher man davon erfährt, um so geringer ist meistens der Reparaturaufwand.

Und jetzt
- Ablegen!